Sonntag, 12. Dezember 2010

Ein Tag vor Heiligabend

Bescherung 
Ein Tag vor Heiligabend
©Angelina de Satura
 
Michi schaute auf die Uhr, schrie erschrocken auf, schnappte sich Jacke und Rucksack und rannte so schnell er nur konnte aus dem Haus. Er durfte keine Zeit verlieren, denn er musste die Bahn erwischen. Zum Glück war sein Zug noch nicht weg. Kaum hatte er sich hingesetzt, ging schon die Reise los. Die zugeschneite Landschaft sah wie verzaubert aus. Er kannte jedes Haus, das entlang der Gleise stand, denn er fuhr diese Strecke täglich zur Schule. Aber jetzt waren Weihnachtsferien. Eine Schaffnerin kam in das Abteil. „Fahrscheine bitte!“, rief sie. Michi zeigte seine Karte. Sie schaute flüchtig darauf, lächelte und ging weiter.
Plötzlich wurde die Fahrt langsamer, bis der Zug quietschend stehen blieb. Michi sah aus dem Fenster, konnte aber nichts erkennen. Neugierig, stand er auf und ging nach vorne. Die Lockführerkabine war leer und die Tür des Zuges stand offen.
Unter der Schneelast waren Äste von den Bäumen abgebrochen. Sie lagen inmitten der Gleise. Die Schaffnerin und der Lokführer beseitigten das Hindernis. Danach wurde die Fahrt fortgesetzt… jedoch ohne Michi.


Verona war verzweifelt. Sie hätte ihre junge Hündin niemals von der Leine lassen sollen. Nur einen klitzekleinen Augenblick nicht aufgepasst, und schon war es geschehen. Ein Kätzchen kreuzte ihren Weg. Die kleine Zoe bellte und da das Tier die Flucht ergriff, wurde ihr Jagdinstinkt geweckt. Sie rannte sofort hinterher. Verona schrie: „Zoe bei Fuß!“, aber sie gehorchte nicht. Verona wollte sie verfolgen, doch die Vierbeinerin war zu schnell. Der neue Schneefall verdeckte alle Spuren. Die Aussicht ihr Hundebaby wieder zu finden, wurde von Minute zu Minute geringer. Sie horchte immer wieder auf in der Hoffnung Zoe bellen zu hören, doch stattdessen heulte nur der Wind. Verona machte sich schwere Vorwürfe. Zoe würde den Weg niemals zurückfinden.


Wo bleibt nur der Zug?“, fragte sich Oma Erna, denn inzwischen schneite es wieder. Die Ansage, der Zug würde sich einige Minuten verspäten, war ihr nicht geheuer. Wie jedes Jahr, sollte Michi den Tag vor Heiligabend bei ihr übernachten. Sie würden zusammen Plätzchen backen, sich gemütlich mit Kakao und Gebäck vor dem Kamin hinsetzen und Opas Weihnachtsgeschichten lauschen.
Sie war erleichtert, als die Bahn ankam. Erna hielt Ausschau nach Michi und erschrak: Ihr Enkelkind befand sich nicht unter den Fahrgästen.
"Vielleicht hat er nur den Zug verpasst", hoffte sie. Sie sah ein Kaffeehaus und ging hinein zum Telefonieren, doch Michi war nicht erreichbar. Erna rief ihren Mann Hans an und erzählte ihm, welche Sorgen sie sich nun machte. "Warte auf den nächsten Zug", beruhigte er sie. Daraufhin setzte sich Erna an einem Tisch und bestellte eine Kanne Tee.


Als Michi am Ausstieg des Zuges stand, konnte er beobachten, wie eine kleine Hündin mit Rüschenhalsband in den Fluss stürzte. Sie kämpfte um ihr Leben. Das Ufer war zu steil für sie. Michi vergaß, dass Oma auf ihn wartete. Er hörte nicht mal wie der Zug losfuhr, nachdem er ausgestiegen war. Für ihn zählte nur das Eine: Versuchen ein Leben zu retten.
„Ruhig, ganz ruhig, ich will dir helfen.“, flüsterte er, während er sie zu fassen versuchte. Sie schien zu spüren, dass Michi sie retten wollte und hielt still. Sobald sie aus dem Wasser war, zog er seine Jacke aus und wickelte sie damit ein. Er sah in der Ferne eine Brücke und eilte auf sie zu.
Dort stand ein Mädchen. Je näher er kam, umso deutlicher konnte er es schluchzen hören.
„Was hast du denn?“, fragte er, aber es gab ihm keine Antwort. Also entschloss er sich weiter zu gehen.


Auf einmal fing die Hündin an wild zu zappeln. Dabei jaulte sie so grell, dass Michis Ohren schmerzten.
„Zoe?“, rief das Mädchen hinter ihm. Daraufhin wurde Zoe’s Jaulen lauter, ihr Zappeln heftiger. Fast wäre sie aus Michis Armen gesprungen.
„Zoe!“, schrie das Mädchen jetzt und holte Michi ein.
Zoe streckte ihre Schnauze aus der Jacke und versuchte Veronas Gesicht abzulecken.
„Kein Zweifel, sie ist deine Hündin“, stellte Michi lachend fest. Er gab Verona Zoe und riet ihr, sie in der Jacke eingepackt zu lassen. Verona drückte voller Freude Zoe an sich. Beinahe hätte sie nicht gemerkt wie der Junge, dem sie dieses Glück verdankte, fort ging.
„Warte, wo willst du hin?“, rief sie ihm nach, „Du musst doch frieren. Komm lieber mit!“
Michi folgte ihr. Zuhause angekommen, bot ihm Verona trockene Sachen an. Er lehnte dankbar ab. In seinem Rucksack war Kleidung eingepackt, weil er bei Oma übernachten sollte. „Oma!“, erschrak er und fragte, ob er anrufen dürfte. Sie reichte ihm das Telefon und meinte:
„Ich gehe Zoe föhnen. Du kannst dich hier in mein Zimmer umziehen.“


Michi telefonierte zuerst mit Opa. Danach nahm er die Kleider aus dem Rucksack und zog seine nassen Sachen aus.
Die Haustür schlug zu und eine Frauenstimme rief:
„Bin wieder Zuhause!“, Schritte kamen näher, kurzes Anklopfen und die Zimmertür ging auf...
Veronas Mama starrte Michi an. Er stand vor ihr, mit hochrotem Kopf und nur mit einer Unterhose bekleidet.
Zum Glück kam Verona dazu und klärte alles auf.


Kommentare:

  1. Liebe Angelina,
    eine wunderschöne Geschichte. Richtig für diese schöne Vorweihnachtszeit.
    Ich mag aber auch das eingesetzte Bildchen.Muß es immer wieder anschauen.
    Liebe Grüße
    Irmi

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  2. Liebe Angelina,

    hast du die schöne Geschichte selbst geschrieben?
    Sie ist richtig spannend.

    Liebe Grüße
    Angela und Elisabeth

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  3. Ich liebe Geschichten mit Happy End...

    Sei lieb gegrüßt und fröhlich Licht
    Kvelli

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  4. mir gefällt diese kleine Geschichte auch.
    Applaus an Dich.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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  5. Vielen Dank, liebe Irmi.
    Das eingesetzte Bildchen kann sich jeder nehmen wenn er auf das Bild 2x hintereinander klickt. Dann erscheint das Bild in verschiedenen Größen und man kann sich den Code kopieren.
    Liebe Grüße

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  6. Ja, liebe Elisabeth, selbst geschrieben :)
    Freut mich sehr, dass Du die Geschichte spannend fandst.
    Liebe Grüße und Dir und Angela einen schönen Abend

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  7. Ich auch, lieber Kvelli :)
    Sei Du auch lieb gegrüßt und ebenfalls fröhlich Licht!

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  8. Vielen Dank, liebe Brigitte
    und mir gefallen Deine Bilder sehr :)
    Liebe Grüße

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  9. Du hast also letzte Woche nicht zu viel versprochen, danke für die neue schöne Geschichte zum Advent.

    LG Shoushou

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  10. Wunderschön!!! *schnief* Ich bin zu nahe am Wasser gebaut! Das hast du toll geschrieben und es passt so schön in die Vorweihnachtszeit!!
    Liebe Grüße und noch einen schönen Adventsabend!
    Angie

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  11. Danke, für die schöne Geschichte. Sie hat mir gut gefallen. Ich wünsch Dir noch einen schönen Restabend am 3.Advent, und dann
    Schlaf gut
    Elisabeth

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  12. Sehr gerne geschehen, liebe Shoushou :)
    LG

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  13. Danke liebe Angie,
    Dir auch liebe Grüße und einen schönen Wochenanfang

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  14. Liebe Elisabeth, ich habe gut geschlafen, danke… und bin aber schon wieder müde ;)
    Liebe Grüße

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Februar 2010

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