Sonntag, 14. März 2010

Warten auf Basko © Angelina de Satura


Wassili schaute traurig aus dem Fenster. Basko, sein zahmer Wolf war verschwunden. Seit Tagen hoffte der Junge, dass sein bester Freund zurückkommen würde. Aber vor dem Kamin blieb Baskos Lieblingsplatz leer.


Es schneite, wie vor einem Jahr, als er seinen Großvater ins Dorf begleiten durfte. Auf dem Heimweg hörten sie ein leises Wimmern. Sie fanden einen Welpen, der sich zitternd an eine tote Wölfin schmiegte. Trotz Großvaters Bedenken, durfte Wassili den Kleinen großziehen. Basko entwickelte sich zu einem prächtigen Wolf. Er konnte aus dem Haus gehen wann immer er wollte, aber noch nie war er so lange fortgeblieben.
Großvater hackte in der Kälte Holz. Wassili ging zu ihm und fragte:
“Opa, warum kommt Basko nicht nach Hause?”
Großvater unterbrach seine Arbeit, beugte sich zu seinem Enkelkind und meinte sehr ernst:
“Hör zu Kleiner, Basko wird nicht mehr wiederkommen! Er ist jetzt ein wildes Tier. Ich habe ihn im Wald gesehen, er hat mich angeknurrt und…”
“Du lügst!”, unterbrach ihn Wassili und lief fort.
“Wassili bleib hier!”, befahl Großvater und versuchte ihn einzuholen.


Doch Wassili war schneller. Er rannte aus dem Hof an einem gefrorenen See vorbei. Erst als er stolperte und in den eiskalten Schnee fiel, wurde ihm bewusst, dass er sich verirrt hatte. Es war schon Nacht. Der Vollmond schimmerte durch kahle Bäume und erhellte die weiße Landschaft.


Der Schatten eines Tieres löste sich von den Umrissen der Umgebung. Die Gestalt kam langsam auf ihn zu. Der Junge erkannte einen Wolf mit hochgezogenen Lefzen, der fürchterlich knurrte. Wassili starrte entsetzt auf die riesigen Zähne der Bestie. Dann schloss er ganz fest seine Augen. Plötzlich gesellte sich ein vertrautes Fauchen dazu. Als er seine Augen wieder öffnete, stand Basko vor ihm. Um ihn zu beschützen, hatte sich Basko zwischen Wassili und das wilde Tier gestellt. Der andere Wolf sah den Jungen als seine Beute an und hatte vor, sie zu verteidigen. Es folgte ein schlimmer Kampf, bis einer laut aufjaulte und mit eingezogenem Schwanz das Weite suchte.


“Basko, du hast mich gerettet!”, lachte Wassili und streichelte vorsichtig das verletzte Tier.
“Junge, wo bist du?”, rief Großvater aus der Ferne.

“Ich bin hier!”, antwortete Wassili so laut er nur konnte.
Er drückte Basko liebevoll an sich und versprach ihm:
“Alles wird wieder gut. Opa bringt uns jetzt nach Hause und ich werde deine Wunden pflegen.”
Doch Basko befreite sich sanft aus seiner Umarmung und bewegte sich von ihm fort.
“Basko, bitte geh nicht weg!”, flehte ihn Wassili an.
“Was für ein Glück Junge, es ist dir nichts passiert”, stellte Großvater erleichtert fest.
Er hob den weinenden Jungen hoch und schloss ihn in seine Arme. Basko warf einen letzten Blick auf seinen Menschenfreund und verschwand in die Dunkelheit des Waldes.
“Basko, komm zurück!”, schrie Wassili verzweifelt.
Großvater besänftigte den Jungen mit ruhiger Stimme:
“Du möchtest doch das Basko glücklich ist, oder?”
Wassili stimmte schluchzend zu.
“Dann freue dich doch für ihn. Er lebt unter seinesgleichen in Freiheit. Nur das macht einen Wolf wirklich glücklich!”
Trotz Tränen und schniefender Nase, lächelte Wassili jetzt.
“Alles Gute Basko!”, rief er seinem besten Freund nach.


Aus den tiefsten Wald erklang darauf das Heulen eines glücklichen Wolfes.

Kommentare:

  1. Kann sein, dass das ein Gleichnis ist? Wenn unsere Kinder uns verlassen?

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  2. Ich habe Gänsehaut und feuchte Augen. Schön. Danke-
    Sternenzauber

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  3. Liebe Monika,
    da könnte etwas dran sein. Es schmerzt tatsächlich sehr, wenn ein Kind flügge wird!
    Doch mich macht es zugleich stolz zu wissen, dass es auch ohne Mama klappen kann.
    Leider weiß ich noch nicht so ganz genau wen es in Wirklichkeit besuchen kommt… mich oder den vollen Kühlschrank ;)

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Februar 2010

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